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Städte erkunden

Wann wird saubere Luft zur Priorität – und können wir so lange die Luft anhalten?


Wir merken alle sehr deutlich, dass die Luft, die wir atmen, einfach immer schlechter wird. Dies betrifft uns immer stärker – nicht nur, weil Luft lebensnotwendig ist, sondern auch, weil wir das Leben genießen wollen, ohne die Sorge, dass unsere Gesundheit gefährdet ist.

“Luftverschmutzung bedroht uns alle“, stellt Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus klar, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO. „Wenn wir nicht schnellstens dagegen vorgehen, werden wir dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung nie auch nur nahekommen.”

Wussten Sie, dass neun von zehn Menschen stark mit Schmutz- und Schadstoffen belastete Luft atmen? Dies besagen die Daten der WHO. Und dies sollte uns allen Anlass zu großer Sorge geben. Was wissen wir eigentlich über die Luftqualität und die Schadstoffe in der Luft, die wir tagein, tagaus atmen, unser ganzes Leben lang?


…wenn wir nicht schnellstens dagegen vorgehen, werden wir dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung nie auch nur nahekommen.

Die WHO geht davon aus, dass jedes Jahr rund acht Millionen Menschen an den Folgen des Feinstaubs sterben, der mit verschmutzter Luft in ihre Lungen und ihr Herz-Kreislauf-System gelangt. Er trägt zur steigenden Zahl von Schlaganfällen, Herzerkrankungen, Lungenkrebs, chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen und Atemwegsinfektionen bei.


4,2 Millionen3,8 Millionen91%
Tote jährlich infolge der Belastung durch verschmutzte AußenluftTote jedes Jahr, als Folge der Belastung der Haushalte durch Rauch qualmender Kochfeuer und schmutziger Brennstoffeder Weltbevölkerung leben an Orten, an denen die Luftverschmutzung über den WHO-Grenzwerten liegt
Quelle: World Health Organization https://www.who.int/airpollution/en/

Verschmutzte Umgebungsluft führte 2016 zu 4,2 Millionen Todesfällen, während schlechte Luft in Innenräumen – aufgrund umweltschädlicher Brennstoffe und Praktiken – im gleichen Zeitraum rund 3,8 Millionen Todesfälle verursachte. Die WHO betrachtet die Luftverschmutzung als das heute möglicherweise gravierendste umweltbedingte Gesundheitsrisiko.

Schockierend ist die Erkenntnis, wer stärker von diesem Risiko betroffen ist. Obwohl 90% der Todesfälle im Zusammenhang mit Luftverschmutzung in Ländern mit einem niedrigen bis mittleren Einkommensniveau verzeichnet werden, entgeht praktisch niemand von uns der „schlechten Luft“. Menschen in Asien, Afrika und vielen Regionen des östlichen Mittelmeerraums sind einem höheren Risiko ausgesetzt. Für Teile Europas und Nord-/Südamerikas gilt dies aber genauso.

Die Debatte dreht sich heute darum, wie sich diese Entwicklung umkehren lässt, und der Fokus liegt dabei vor allem darauf, aus welchen Quellen wir unsere Energie beziehen. Je stärker wir uns auf Kohle, Gas und Dieselgeneratoren stützen, statt Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft sowie intelligente Energielösungen zu nutzen, umso mehr setzen wir die Verschmutzung fort. Wir müssen den Blick daher konsequent auf erneuerbare oder saubere Energien als Zukunft unserer Energiegewinnung richten. Die Schadstoffe in der Luft müssen verringert werden. Jegliche Verbrennung fossiler Brennstoffe – dazu gehören auch Benzin und Diesel für Kraftfahrzeuge – muss drastisch eingeschränkt und allmählich eingestellt werden, damit wir wieder bessere Luft atmen können.

Die WHO misst derzeit die Luftqualität in unseren Städten, wo weltweit 54% der Menschheit leben. 4.300 Städte in 108 Ländern nehmen an diesem Programm teil. Die Datenbank erfasst die mittleren Jahreskonzentrationen von Feinstaub der Partikelgrößen PM10 und PM2,5. Zu PM2,5 zählen Schadstoffe wie Sulfate, Nitrate, Ammonium, Natriumchlorid, Mineralstaub und schwarzer Kohlenstoff, die in jeder dieser Städte die größten Risiken für die menschliche Gesundheit darstellen.

Diese Messungen zeigen, dass wir in ernsthaften Schwierigkeiten stecken. Wollen Länder die Empfehlungen der WHO zur Luftqualität erfüllen, sollten sie ihre Luftverschmutzung auf jährliche Mittelwerte von 20 μg/m3 für PM10 und 10 μg/m3 für PM2,5 reduzieren. Es ist der Feinstaub mit einer Partikelgröße < 2,5 μm (PM2.5), der in unsere Lungen und andere Organe eindringt. Er überwindet die natürlichen Abwehrmechanismen des Körpers über die Atemwege, wie in der Grafik unten dargestellt.

Die Untersuchungen der WHO zeigen, dass nur 20% der in Städten lebenden Bevölkerung, die der Städtebericht der Organisation erfasst, Luft entsprechend den Qualitätsrichtlinien für PM2,5 atmet. 80% der Stadtbewohner sind also schlechterer Luft ausgesetzt. In vielen Städten in Entwicklungsländern können die Werte 4- bis 15-mal über der Richtlinie liegen, was eine große Zahl von Menschen dem Risiko langfristiger Gesundheitsprobleme aussetzt. Hinzu kommt, dass bodennahes Ozon, das durch atmosphärische Wechselwirkungen im Mix der Luftschadstoffe entsteht, die landwirtschaftliche Produktivität oft gerade dort verringert, wo größter Bedarf an Ackerfrüchten besteht, so dass wir uns noch mehr Sorgen um die Ernährungssicherheit machen müssen.

Image of respiratory system
Feinstaub der Partikelgröße PM2,5 gilt unter allen normalerweise gemessenen Luftschadstoffen als der Schadstoff mit den gravierendsten Gesundheitsfolgen. Die Teilchen sind so klein, dass sie tief in das menschliche Atemsystem eindringen können.

Luftverschmutzung macht an keiner Grenze halt

Wir erkennen allmählich, dass es langfristige Konsequenzen hat, wenn unsere Luft die beschriebenen Schadstoffe enthält. Eine wichtige Ursache der Luftverschmutzung mit Feinstaub ist die Art der Energie, die von Haushalten, Industrie, Landwirtschaft und Verkehr genutzt wird. So sind viele Bereiche stark von Kohlekraftwerken oder Holz aus der näheren Umgebung abhängig. Wir müssen also in saubere Energiequellen investieren.

Manche Regionen leiden zunehmend unter Sand- und Staubstürmen, weil das Land immer trockener wird, immer mehr Abfälle verbrannt und immer mehr Wälder abgeholzt werden. In großen Teilen der Welt sind viele Menschen immer noch auf Holzöfen oder Gasbrenner angewiesen. Die ausgestoßenen Abgase gehen auf fossile Brennstoffe zurück, und die Menschen wissen nicht, welches tödliche Risiko sie eingehen, wenn sie den Rauch einatmen. Auch ist die Luftqualität stark von natürlichen Faktoren wie geographischen, meteorologischen und jahreszeitlichen Gegebenheiten abhängt. Für viele steckt unser Planet in einer Krise.

Während Städte die Luftqualität erfassen und offener darüber berichten, beeinflussen Bewegungen auf lokaler wie auch landesweiter Ebene die Politik. Wir beobachten konzertierte Anstrengungen mit dem Ziel, alternative Lösungen in Bereichen wie Verkehr und Energie, Abfallwirtschaft, Stadtplanung und Landwirtschaft zu finden. Gemeinden beginnen, die potenziellen Auswirkungen verschmutzter Luft zu spüren oder sich ihrer bewusst zu werden, und Städte arbeiten daran, Alternativen umzusetzen.

Mit wachsendem Bewusstsein müssen wir Wege finden, den Wandel anzunehmen – auf individueller wie gemeinschaftlicher Ebene. Wir müssen auf realistische Art und Weise von fossilen Brennstoffen und der Abfallverbrennung abrücken und uns eine Lebensweise zu eigen machen, die auf den WHO-Empfehlungen aufbaut.

AKTIV WERDEN

  • Nutzung von Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft forcieren, Abhängigkeit von Kohle und anderen fossilen Brennstoffen verringern.
  • Fortbewegung bevorzugt zu Fuß und per Fahrrad, verstärkte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel fördern; auf diese Weise können wir auch mehr und mehr von Autos mit Verbrennungsmotor auf Hybrid- und Elektroautos umsteigen.
  • Energieeffizienz von Häusern weiter verbessern, um den Heizbedarf zu verringern und die Verbrennung von Kohle und Holz im Haus zu vermeiden – insbesondere dann, wenn wirtschaftliche Alternativen verfügbar sind.
  • Abfallverringerung fördern und Abfälle nur dann verbrennen, wenn die Emissionen überwacht werden.
  • Abbrennen abgeernteter Felder einschränken, vor allem dann, wenn der Wind in Richtung der Städte bläst.
  • Grünanlagen schaffen, die kostbares öffentliches Gut darstellen und wesentlich zur Verringerung von Schadstoffen in der Luft beitragen.
  • Umweltverschmutzende Fahrzeuge daran hindern, täglich in die Städte zu fahren, um die Stickstoffdioxidbelastung zu reduzieren.
  • Busse, Lkw und Taxis umweltfreundlich nachrüsten; ältere, umweltbelastende Fahrzeug verschrotten.


Die Luftqualität verbessern bedeutet einfach, die Verschmutzung an der Quelle zu stoppen, indem wir die Art und Weise, wie wir leben, arbeiten und produzieren, was wir brauchen, radikal ändern.

Natürlich können wir sagen, dass wir als Einzelne heute so gut wie keinen Einfluss auf die meisten Ursachen der Luftverschmutzung haben und es konzertierter, koordinierter Anstrengungen der Gemeinschaft bedarf, zu ändern, wie wir unseren täglichen Geschäften nachgehen. Dennoch spielen gerade wir als Einzelne eine immer wichtigere Rolle als Teil einer bewussten globalen Gemeinschaft, die von politischen Entscheidungsträgern auf allen Ebenen abgestimmte Maßnahmen in Bereichen wie Verkehr, Energie, Abfallwirtschaft, Stadtplanung und Landwirtschaft erwartet, um das menschliche Grundbedürfnis nach sauberer Luft zu erfüllen.

Los Angeles

Los Angeles erreicht bei der Luftqualität mit einem jährlichen PM2,5-Durchschnitt von 12 μg/m3 einen der besten Werte.

Erfahren Sie mehr

Bereits 54% der Weltbevölkerung leben heute in Städten, und dieser Anteil wird Prognosen zufolge bis 2050 auf 68% wachsen. Dies belastet die Städte immer stärker, so dass sie sich drastisch verändern müssen. Wir müssen den Fokus also zunehmend auf die Städte richten. Wie können wir diese zu angenehmeren und auch „intelligenteren“ Orten machen? Der Begriff „Smart Cities“ ist heute in aller Munde, doch sollten wir in verschiedener Hinsicht vielleicht eher von „Intelligent Cities“ sprechen. „Neue“ Technologien sind entscheidend für die Umsetzung der notwendigen Veränderungen, weil sie andere Lösungen bieten als in der Vergangenheit.

We require our cities to deepen the commitments to not just monitor but really reduce our air pollution. Can we hold our breath any longer? No, we need to become aware of what we are breathing today, it is simply not healthy for us. To recognize our change in “lifestyle” is going to be driven by a change in our habits and expectations. We cannot wait, for our breathing to be uncomfortable or painful. We need to invest in breathing and living differently; less reliant on past habits and investment decisions.

Von Paul Hobcraft

Paul arbeitet als Advokat des Wandels für Innovation, Ökosysteme und die Energie- und IIoT-Systeme. Er setzt Inhalte in Beziehung zum Kontext, um Wissen zu vermitteln und die Übergangsnarrative aufzubauen, die wir alle durchlaufen.

@Paul Hobcraft

Themen

grüne Städte / IoT / Klimawandel / Luftqualität / Nachhaltigkeit

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